10.300 Besucher pro Tag: Die IS-Nachrichtenagentur „Almaq“ betreibt ein durchaus erfolgreiches Mobilisierungsportal mitten in Deutschland. Unter der Adresse www.jkikki.de, die eher nach einem trendigen Jugendportal klingt, wird nicht nur der Islamismus verherrlicht, sondern auch der damit einhergehende Terrorismus.

Einem Hinweis aus einer privaten Nachricht folgend, die ich über ein soziales Netzwerk erhielt, befasste ich mich mit der Homepage www.jkikki.de, die dem Hinweisgeber nach eine Plattform des Islamischen Staat sein soll – mitten in Deutschland betrieben. Da die Homepage ausschließlich in arabischer Sprache verfasst ist, bat ich im Rahmen unserer Recherchen zunächst einen Übersetzer aus dem Libanon um Mithilfe. Er schilderte das Portal als „100% IS“.

„All what is written is about the achievements of IS and their wins against the syrian and iraqi armies. The photo is showing a IS militant shooting on iraqi army barracks. Anyhow, it is clearly a webpage 100% pro IS.“ Beauftragter Übersetzer

Genügend Anlass also, weitere Nachforschungen zu betreiben, die damit begannen, sich einmal die Daten und Fakten zur Homepage anzusehen. Ein erster Beleg: die Suchmaschine Google führt jkikki.de als „.amaq news agency“, also als Nachrichtenagentur Amaq. Diese ist, eigenen Angaben und bisherigen Veröffentlichungen zufolge, nichts anderes als die Propagandaabteilung des IS. Das islamistische Pendant zur Deutschen Presse-Agentur (dpa) also, wenn man überhaupt einen Vergleich bemühen will.

Modernes Online-Marketing und psychologische Mitgliedergewinnung

Ausschnitt Bekennervideo Anis Amri / Oben rechts: Amaq-Logo

Ausschnitt Bekennervideo Anis Amri / Oben rechts: Amaq-Logo

Die Veröffentlichungen beziehen sich, wie bereits vom befragten Sachverständigen aus dem Libanon angemerkt, in großen Teilen auf die Kriegs- und Terrorhandlungen des Islamischen Staates. Jedoch dient das Portal, dessen Name jkikki.de genauso gut der eines trendigen Jugenprojektes sein könnte, vor allem zur Gewinnung von weiteren Mitstreitern. Hervorgehoben wird an allen möglichen Stellen das vorherrschende Gemeinschaftsgefühl, zu dem auch islamische Liedtexte gehören. Garniert mit stylischen Grafiken, sollen sie vermutlich vor allem Jugendliche dazu animieren, sich der „heiligen Sache“ anzuschließen. So wird beispielsweise mit dem Logo des bekannten Spieles „Grand Theft Auto“ (GTA) geworben, das in arabische Schriftzüge eingefügt wurde. Mit einem LKW durch Menschenmengen zu fahren, erscheint da in einem ganz anderen Licht. Die Spielehersteller deshalb zu verurteilen oder die Verbraucher, die dieses Spiel nutzen, würde der Sache nicht gerecht. Vielmehr verdeutlicht es, dass der Islamische Staat durchaus bestimmten Jugendtrends folgt und sie zu nutzen weiß. Doch auch selbsternannte Märtyrer haben hier ihren Platz.

Screenshot: jkikki.de

Screenshot: jkikki.de

So wie Anis Amri, Mohammed Daleel und Riaz Khan Ahmadzai, die viele Gemeinsamkeiten haben. Die drei jungen Männer kamen allesamt als „Flüchtlinge“ nach Deutschland, um mehr oder minder erfolgreiche Anschläge im Namen des islamischen Staates zu verüben. Amri steuerte nach bisherigen Erkenntnissen den polnischen LKW auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, den er vorher entführte. Daleel war für den versuchten Sprengstoffanschlag in Ansbach verantwortlich, und Ahmadzai attackierte in einem Regionalzug bei Würzburg mehrere Menschen mit einer Axt sowie einem Messer. Eine weitere Gemeinsamkeit: Amaq diente den Attentätern als Plattform zur Veröffentlichung ihrer Bekennervideos. So wurde auch das Video Amris, das er augenscheinlich kurz vor seiner Tat in Berlin veröffentlichte, zunächst auf jkikki.de veröffentlicht, bevor es sich von dort aus verbreitete. Auch hier setzt man mit Erfolg auf die Mechanismen modernen Online-Marketings.

Extrem gut vernetzt: 40.000 Zugriffe von 10.000 Nutzern täglich nach nur 8 Wochen

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Screenshot: jkikki.de mit Almaq-Logo

Als sehr erfolgreich, zumindest aus Sicht des IS, könnte man auch die hohen Zugriffszahlen bezeichnen. Die Seite startete erst im Oktober und konnte innerhalb von nur acht Wochen Zugriffe generieren, von denen so mancher Betreiber eines Onlineshops nach mehrjähriger Tätigkeit träumt. Mehr als 10.000 Nutzer greifen täglich auf jkikki.de zu, sie gehört zu den 50.000 erfolgreichsten Homepages weltweit, was nach einer so kurzen Zeit nicht durch normales Wachstum zu erklären ist. Zur Erinnerung: jkikki.de muss im Prinzip im Geheimen operieren, kann selbstverständlich keine Werbung schalten und veröffentlicht Inhalte nur in arabischer Sprache. Das lässt den Schluss zu, dass zum einen das Interesse an den Inhalten des Islamischen Staates gewaltig ist, zum anderen eine enorm gute Vernetzung gegeben sein muss, um so ein Portal so schnell entsprechend bekannt zu machen.

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Statistik: Hypestat.com

Behörden und Regierung in Deutschland: zu beschäftigt mit dem Einordnen von Fakenews?

Während die Bundesregierung derzeit vor allem darum bemüht ist, eine „Wahrheitsbehörde“ zu schaffen, die im Kanzleramt angesiedelt dafür sorgen soll, richtige von falschen Nachrichten zu unterscheiden, betreibt der Islamische Staat mutmaßlich ein Nachrichtenportal auf deutschem Boden, augenscheinlich als Kunde deutscher Firmen. So sorgt die „PTS Privacy & Trustees GmbH“ aus Friedrichsthal, die den Registrierungsdaten bei der Denic nach der administrative Ansprechpartner ist, laut Angaben auf ihrer Homepage „vor der Einsicht der Domaininhaberdaten durch Dritte“. Auf Deutsch: Der wahre Inhaber wird verschleiert, offiziell ist hier ein gewisser Richard Nguyen aus New York eingetragen. Dass es sich dabei um eine real existierende Person handelt, ist zu bezweifeln. Beheimatet ist der Speicherplatz, der von jkikki.de genutzt wird, übrigens ebenfalls im Saarland. Die genutzte Server-IP gehörte zumindest am 05.12.2016, dem untenstehenden Screenshot nach, zur Key-Systems GmbH in St. Ingbert.

saarland-jkikki

Es ist nahezu unglaublich, dass über mehr als 8 Wochen hinweg islamistische Propaganda, die beispielsweise zur Anwerbung von Attentätern dient, problemlos von einer deutschen Website aus betrieben werden konnte. Vielleicht sollte mehr Aufmerksamkeit auf die Onlinetätigkeiten des Islamischen Staates, statt auf die Schaffung eines Wahrheitsministeriums im Kanzleramt gelenkt werden.

Hinweis: Schon während unserer Recherchen war www.jkikki.de nur sporadisch erreichbar, derzeit ist ein Betreten des Portals gar nicht mehr möglich. 

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Mario Hau

Mario Hau, geboren 1978 in Ludwigsburg, ist Mitglied des Landesvorstandes der AfD in Rheinland-Pfalz. Seine Brötchen verdient er sich als Medienschaffender. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.