Dr. Frauke Petry

Wer Deutschland als seine Heimat betrachtet, kann nicht wollen, dass unser Land verwahrlost / Ein offener Brief an die deutschen Muslime

Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren islamischen Glaubens in Deutschland,
sehr geehrte Deutsche muslimischer Herkunft,

wir müssen reden, auch vor dem Hintergrund der jüngsten Terroranschläge, aber keineswegs erstlinig deshalb. Viel hat sich angestaut in den vergangenen Jahren, viele negative Vorurteile stehen zwischen Ihnen und uns. Ich wende mich speziell an diejenigen unter Ihnen, die auf die Frage, ob sie eher zum Islam oder eher zu Deutschland gehören, mit „Deutschland“ antworten würden. Die meisten von Ihnen fänden nämlich ihre politische Interessenvertretung, vielleicht sogar ihre politische Heimat in der AfD – auch wenn Sie es vielleicht noch gar nicht wissen.

Wir leben bekanntlich in einer Zeit globaler Menschen- und Völkerwanderungen. Viele Muslime in Europa haben sich mit dem westlichen Gesellschaftssystem angefreundet oder arrangiert, aber ebenso viele lehnen es ab, wenn wir Umfragen Glauben schenken wollen, was wir mit aller gebotenen Skepsis tun. Radikale Dschihadisten suchen den offenen Konflikt mit allen Menschen, die sie für Ungläubige erklären. Ihr Feind ist die westliche Zivilisation an sich. Wie viele Muslime in Deutschland heimlich mit diesen Radikalen sympathisieren, wissen wir nicht. Nur wenige distanzieren sich in aller Offenheit von den Extremisten. Ihnen gehört unsere ausdrückliche Sympathie.

Zugleich lastet ein enormer Einwanderungsdruck aus vorwiegend muslimischen Ländern auf Europa, und wie die Dinge liegen, wird dieser Druck noch zunehmen. Allein Deutschland hat im vergangenen Jahr nach dem Willen seiner Kanzlerin etwa anderthalb Millionen Einwanderer aufnehmen müssen. Es handelt sich überwiegend um junge Männer in der Altersgruppe zwischen 18 und 30 Jahren, die zudem überwiegend Analphabeten sind. In diesem für den Fortbestand einer Gesellschaft entscheidenden Alterssegment stehen ihnen nur etwa acht Millionen Deutsche gegenüber, von denen viele bereits selber einen sogenannten Migrationshintergrund haben. Die europäischen Nationalstaaten werden durch diese in Hochgeschwindigkeit stattfindende Durchmischung ihrer Bevölkerung auf eine harte Probe gestellt. Es geht dabei um nichts Geringeres als ihre Existenz als Gesellschaften mit christlicher Tradition und als freiheitliche Demokratien. Der Konflikt zwischen westlicher und orientalischer Lebensweise, zwischen westlichen und orientalischen Glaubens- und Wertvorstellungen wird unsere Zukunft bestimmen. Soviel zum Gesprächsrahmen.

Sie haben nach dem Stuttgarter Parteitag der AfD im Mai dieses Jahres aus den Medien erfahren, dass unsere Partei den Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ in ihr Programm geschrieben hat. Vielleicht haben Sie auch gelesen, dass die AfD eine „islamfeindliche“ Partei sei. Die meisten Dinge haben aber zwei Seiten. Was im Getümmel der Schlagzeilen nahezu unterging, war unsere Aussage, dass gut integrierte, rechtstreue Muslime, die ihre Religion privat leben, ganz selbstverständlich zu Deutschland gehören – wie Angehörige anderer Religionsgemeinschaften auch. Wir lehnen ausschließlich einen Islam ab, der politische Forderungen stellt und die Scharia über unsere Rechtsordnung stellt.

Wie Sie sich erinnern, hat der damalige Bundespräsident Christian Wulff 2010 behauptet: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Die Bundeskanzlerin hat diesen Satz inzwischen in unterschiedlichen Varianten bekräftigt. Was sie genau damit meint und wie das künftige Deutschland aussehen soll, darüber schweigt Frau Merkel. Ihre Aussage, sie wünsche sich für die Zukunft „möglichst viele Menschen in Deutschland“, lässt darauf schließen, dass es ihr vollkommen egal ist, um wen es sich handelt. Weder die schon seit Generationen hier ansässigen Deutschen noch die Muslime sind also von ihr speziell gemeint. Frau Merkel scheint zu glauben, die Zusammensetzung der Bevölkerung eines Landes sei beliebig. Ihr scheint unbekannt zu sein, dass Geschichte und Gegenwart voll sind von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Lebensweisen, Kulturen, Religionen. Sie meint offenbar, wenn sie statt von Völkern einfach von „den Menschen da draußen im Land“ spricht, seien alle Probleme vom Tisch, die Verfechter der Scharia und die des Grundgesetzes würden sich schon auf den jeweiligen Alltagsmodus einigen. Wir halten ein solches Denken für extrem fahrlässig und unverantwortlich. Nach unserer Auffassung führt eine sogenannte Willkommenskultur für alle und jeden, ohne Kriterien und Obergrenzen, geradewegs in den Zusammenbruch des Sozialstaats, in Unruhen und Verteilungskonflikte.

Bundespräsident Wulff hatte damals mit seinem Ausspruch ein Zeichen setzen wollen. Alle Widersprüche löste er in einer appellativen Schlagzeile auf. Das Ergebnis war wohlmeinend, aber völlig schief. Die AfD wollte in Stuttgart ebenfalls ein Zeichen setzen, indem sie diesen falschen Satz zurücknahm. Mancher wird meinen, das Vertauschen der Worte „Islam“ und „Muslime“ sei nur eine Spitzfindigkeit unsererseits gewesen, hinter der wir unsere „Islamophobie“ verbergen wollen. Ich möchte Ihnen erklären, warum dies nicht so ist.

Zunächst einmal: Was heißt überhaupt, der Islam gehört zu Deutschland? Welcher Islam denn? Und was bedeutet „gehören“? Dass der Islam mit seinen 1,6 Milliarden Gläubigen so wenig zu Deutschland gehören kann wie Asien zu Japan, dürfte klar sein. Nur die umgekehrte Version wäre nach der Mengenlehre möglich, nämlich dass Deutschland zum Islam gehört. Ich weiß, dass ein Teil der Muslime durchaus hofft, diese Aussage möge eines Tages zutreffen. Sie werden verstehen, dass wir daran nicht interessiert sind. Die realen Zustände in jenen Ländern, in denen der Islam Staatsreligion ist, die also tatsächlich zum Islam gehören, erscheinen uns nicht besonders attraktiv. Offen gesagt finden wir sie sogar abstoßend. Geschlechtertrennung, Frauenverschleierung, Körperstrafen, Hinrichtungen, Zensur, Speisevorschriften, religiöser Gesinnungsterror, Alkoholverbot, Bildungsfeindlichkeit, Analphabetismus, Wissenschaftsfeindlichkeit, Kunstfeindlichkeit, ein öffentlicher Raum, in dem kollektive Vorschriften gelten und man sich nicht frei bewegen kann: Wir wollen so nicht leben!

Muslimische Intellektuelle sagen, das alles sei gar nicht islamisch, der Islam sei traditionell viel toleranter, eine Religion der Ergebenheit an die Schöpfung und des Ruhens in Gott. Erst die Begegnung mit dem modernen Westen und die Erkenntnis der eigenen Unterlegenheit habe die Radikalisierung vieler Muslime herbeigeführt. Wem dem so ist, fordern wir diese Intellektuellen auf, der Radikalisierung ihrer Glaubensbrüder entgegenzutreten, ohne das bequeme Argument zu benutzen, der Westen sei schuld an der Situation in der arabischen Welt. Die Kriege des Westens haben die Bestie „Islamischer Staat“ geweckt, aber nicht erschaffen. Salafismus und Wahabismus mögen als Reaktionen auf den Westen entstanden sein, aber sie sind keine Produkte des Westens. Auch die Muslimbrüder sind kein Produkt des Westens. Dass es Millionen Menschen gibt, die die Vorschriften der Scharia buchstabengetreu für bindend halten, hat nicht der Westen eingeführt. Nicht der Westen hat den Arabischen Frühling niedergeschlagen.

Wenn wir einen Unterschied zwischen dem Islam und den Muslimen machen, dann deshalb, weil der Islam nur das Kollektiv kennt, während wir den einzelnen Muslim für ein Individuum halten. Der Islam hat den Anspruch, das Leben der Gläubigen zu regulieren, er schreibt vor, wie sie zu leben haben. In islamischen Staaten herrscht keine Meinungsfreiheit und keine religiöse Toleranz. In Deutschland genießen Muslime nicht nur mehr weltliche Freiheiten, sondern auch mehr religiöse Freiheiten als in jedem Land der islamischen Welt. Wer diese Freiheit missbrauchen will, um gegen sogenannte Ungläubige mobil zu machen, ist unser Feind.

Sie mögen einen Widerspruch zu dieser Aussage darin erkennen, dass wir uns gegen Minarette und Muezzinrufe aussprechen. Für uns sind es islamische Herrschaftssymbole. Unsere Minimalforderung ist ein Quid pro quo: Wenn in Pakistan, in Saudi-Arabien und im Iran die Glocken christlicher Kirchen läuten und Christen dort unbehelligt ihre Religion ausüben dürfen, dann werden wir unsere Haltung zum Muezzinruf überdenken. Was stattdessen dort geschieht, wissen Sie selbst: Das Christentum wird von Muslimen aus jenen Regionen vertrieben, in denen es seit 2000 Jahren heimisch ist, weit länger, als es den Islam gibt.

Erst in diesem Zusammenhang wird die Verlogenheit des oft gegen die AfD vorgebrachten Argumentes deutlich, wir spielten den Extremisten in die Hände, weil wir durch unsere Ablehnung der Scharia und anderer grundgesetzferner Traditionen die Radikalisierung junger Muslime förderten. Wir haben nicht vor, uns aus unserer Heimat verdrängen zu lassen. Wir werden Recht und Freiheit in Deutschland verteidigen.

Derzeit lernt der Westen den Islam in seiner unangenehmsten Form kennen, dem Dschihadismus. Der Terror, der sich in der Sache gegen sämtliche Westeuropäer richtet, aber durchaus auch den Tod von europäischen Muslimen in Kauf nimmt, wird die europäischen Muslime zum Bekenntnis drängen. Sie werden sich entscheiden müssen, zu welcher Seite Sie gehören. Gehören Sie zu Deutschland und Europa, oder träumen Sie davon, dass Deutschland und Europa immer islamischer werden und eines Tages zur islamischen Umma gehören?

In Deutschland wird viel über Weltoffenheit diskutiert. Tatsächlich wird diese Weltoffenheit sogar gefordert, und wer sich ihr verweigert, gilt schnell als Ewiggestriger. Wie weltoffen eigentlich die Muslime in Deutschland sind, ist merkwürdigerweise nie ein Thema. Wir sind in unseren Forderungen viel bescheidener: Uns würde es genügen, wenn Sie deutschlandoffen sind.

Ein türkischstämmiger deutscher Autor hat vorgeschlagen, das kalte technische Fremdwort „Integration“ durch das warme deutsche Wort „Heimat“ zu ersetzen. Einverstanden. Aus deutschen Muslimen sollen muslimische Deutsche werden. Die Bedingung dafür ist, dass Sie akzeptieren, dass in Deutschland Religion Privatsache ist. Staat und Kirche sind getrennt. Die religiösen Gebote sind den weltlichen Gesetzen untergeordnet. Wir glauben, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und dass Er keine Religion bevorzugt. Aber die Basis unserer Gesellschaftsordnung ist, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind.

Wenn Sie jetzt sagen, das sei doch selbstverständlich, sind Sie tatsächlich hier angekommen.  Oder Sie täuschen Unwissenheit vor. Wissenschaftliche Studien kommen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass religiöser Fundamentalismus unter Muslimen in Westeuropa weit verbreitet ist. Der Migrationsforscher Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hat 2014 repräsentative Befragung von Einwanderern und Einheimischen in sechs europäischen Ländern ausgewertet. Zwei Drittel der befragten über 9000 Muslime halten demnach religiöse Gesetze für wichtiger als die Gesetze des Landes, in dem sie leben. Drei Viertel von ihnen finden, es gebe nur eine mögliche Auslegung des Korans. Unter den einheimischen Christen stellen nur 13 Prozent religiöse Regeln über staatliches Recht, und knapp 20 Prozent bestreiten, dass die Bibel unterschiedlich ausgelegt werden kann.

Die aktuellste Untersuchung stammt von der Universität Münster. Eine repräsentative Befragung in Deutschland lebender Türken ergab ebenfalls ein hohes Maß an Zustimmung zu religiös-fundamentalistischen Aussagen: 47 Prozent der 1200 vom Meinungsforschungsinstitut Emnid Befragten halten die Gebote des Islam für wichtiger als die deutschen Gesetze, 36 Prozent sind überzeugt, nur der Islam könne die Probleme der Zeit lösen, und ein Drittel meint, Muslime sollten zur Gesellschaftsordnung zu Mohammeds Zeiten zurückkehren.

Mit anderen Worten: Zehntausende Menschen in unserem Land meinen, wir müssten zur beduinischen Lebensweise des arabischen 7. Jahrhundert „zurückkehren“. Und das soll zu Deutschland gehören? Andersherum heißt es allerdings auch: 53 Prozent der Deutsch-Türken, immerhin eine Mehrheit, halten die deutschen Gesetze für wichtiger als die religiösen Gebote des Islam. Die Türken gelten übrigens als die am besten integrierte Einwanderergruppe aus muslimischen Herkunftsländern; man darf sich ausrechnen, wie eine solche Befragung unter den Neuankömmlingen aus arabischen Ländern ausfiele. Wenn etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Muslime meint, die Gesetze des Islam stünden über den Gesetzen des deutschen Staates, haben wir ca. zweieinhalb Millionen potentielle oder tatsächliche Staatsfeinde im Land. Wollen Sie, dass in deutschen Unternehmen künftig über Geschlechtertrennung und Gebetszeiten diskutiert wird statt über Innovationen?

Lehrer an deutschen Schulen berichten, dass sie von jungen Muslimen neuerdings immer öfter Sätze zu hören bekommen wie „In zwanzig Jahren sind wir ohnehin die Mehrheit“, oder „Bald gehört dieses Land uns“. Auch im Internet kann man solche Parolen lesen. Wäre ich Lehrerin, und ein muslimischer Schüler kündigte mir so etwas an, ich würde ihm antworten: Und dann? Bekommst du dann bessere Mathematiknoten als jetzt? Oder willst du die Mathematik abschaffen und dich lieber darum kümmern, dass deine Mitschülerinnen ordnungsgemäß verschleiert sind? Willst du Zustände haben wie in Saudi-Arabien, wo „ihr“ in der Mehrheit seid? Gibt es dann keine gewählte Regierung mehr, sondern einen Gottesstaat? Wer baut euch dann die schicken Autos und Handys? Wer sorgt dafür, dass die Flugzeuge am Himmel, die Satelliten im Orbit und eure Computer online bleiben? Wer sorgt dafür, dass die Kraftwerke weiterarbeiten und dass die immer mehr wachsende Weltbevölkerung der Zukunft satt wird? Meinst du, die Welt wird besser dadurch, dass du dir später mal einen Bart wachsen lässt? Und überhaupt, warum willst du so lange warten, warum wanderst du nicht gleich in ein islamisches Land aus? Auf die Antworten wäre ich gespannt.

Solche Stimmen, werden Sie sagen, sind nicht typisch für Ihre Community. Aber was ist typisch? Viele Nichtmuslime fragen sich, wer eigentlich für die deutschen Muslime spricht. Sind es Islamfunktionäre wie Ayman Mazyek? (Die anderen kennt der Durchschnittsbürger gar nicht erst.) Sind es Politiker muslimischer Herkunft wie Aydan Özoguz oder Cem Özdemir? Islamkritiker wie Necla Kelek? Entertainer wie Kaya Yanar und Serdar Somuncu? Offenkundig spricht überhaupt niemand für sie. Das ist ein unheimlicher Zustand.

Zugleich weiß die Öffentlichkeit, dass islamische Staaten und deren Organisationen auf die unterschiedlichen Moscheegemeinden hierzulande erheblichen Einfluss ausüben – meist diskret und im Stillen. Vor allem Saudi-Arabien, die Türkei und der Iran mischen sich auf dem angeblich religiösen Weg in die inneren Angelegenheiten unseres Landes ein. Mit Geld und Personal versuchen sie, nicht nur religiöse Deutungen durchzusetzen, sondern auch ihre politischen Vorstellungen. So wählt beispielsweise die türkische Religionsbehörde Diyanet die Imame für die Moschee-Gemeinden der Ditib aus. Die Imame werden von der Türkei bezahlt, und spätestens nach fünf Jahre müssen sie Deutschland wieder verlassen. Diese Praxis erinnert wohl eher an das Führen von Agenten. Als deutsche Muslime sollten Sie sich das nicht gefallen lassen, als muslimische Deutsche erst recht nicht. Sie wissen doch viel besser, wo Ihnen der Schuh drückt, als ein Imam aus Anatolien, der keine Ahnung von Deutschland hat.

Diejenigen Muslime, die man in den deutschen Medien zu sehen bekommt, sind wiederum relativ selten gläubige Muslime und offenbar wenig repräsentativ. Sieht man ausnahmsweise richtige „muslimische“ Muslime in deutschen Talk-Shows, geht es mit absoluter Sicherheit um den Islam. Offenbar gibt es für die deutsche Öffentlichkeit im Zusammenhang mit religiösen Muslimen kein anderes Thema. Der Druck, möglichst sämtliche Gebiete des Lebens aus islamischem Blickwinkel zu sehen, wird auf Muslime nicht nur von importierten Imamen und orthodoxen Glaubensbrüdern ausgeübt, auch die deutsche Öffentlichkeit reduziert sie gern auf diese Perspektive. Offenbar haben Muslime keine Meinung zur Bildungspolitik, zur Familienpolitik, zur Umweltpolitik, zur Außenpolitik. Oder?

Hier gewinnt übrigens der eingangs erwähnte Unterschied zwischen den beiden Aussagen „Der Islam gehört zu Deutschland“ und „Die Muslime, die hier integriert leben, gehören zu Deutschland“ an Deutlichkeit. Es gibt keine islamische deutsche Familienpolitik, es gibt keine islamische deutsche Bildungspolitik, aber es gibt doch bestimmt deutsche Muslime, die eine Meinung zur Familienpolitik und Bildungspolitik haben und mitdiskutieren wollen. Warum werden sie nicht eingeladen? Vielleicht deshalb, weil gerade Muslime für die traditionelle Familie plädieren würden, die nach Ansicht der rotgrünen Wortführer ein Auslaufmodell ist?  „Wir drängen den neben uns wohnenden Muslimen unentwegt unsere Freiheiten auf, denken aber nicht daran, auch nur das Geringste von ihrer sittlichen Freiheitsbeschränkung nachahmenswert zu finden oder auf uns abfärben zu lassen“, schreibt der Dichter Botho Strauß. „Dabei täte etwas mehr Familie, etwas väterliche Stärke einem Erziehungsverhalten gut, dessen Schwächen allenthalben von staatlich geförderten Hilfen kostspielig kompensiert werden.“ Wahrscheinlich würden sich die meisten Muslime auch gegen die rotgrüne Durchsexung der Schullehrpläne aussprechen. Wahrscheinlich würden sie Fragen stellen wie: Sollen wir uns unser Bild von den Geschlechtern, vom Mannsein und Frausein, von einer Gesellschaft vorschreiben lassen, in deren Universitäten gepredigt wird, dass es Männer und Frauen gar nicht gibt, sondern dass Mann und Frau nur soziale Konstrukte sind? Mit einem Satz: Wahrscheinlich würden viele Muslime zu diesen Themen dasselbe sagen wie die AfD. Und wahrscheinlich lädt man sie deshalb zu solchen Themen gar nicht erst ein.

Wir werden als Partei niemals Ihre Glaubensinhalte beurteilen oder gar kritisieren, weil wir eine politische Partei sind und Glaubensdinge uns nichts angehen – es sei denn, aus den Glaubensinhalten werden politische Forderungen. Ich stelle mir vor, dass freiheitliche, heimatliebende, konservative Muslime die AfD wählen oder in die AfD eintreten, und zwar weil sie freiheitlich, heimatliebend und konservativ sind. Als eine Partei, die sich dem sozialen Frieden verpflichtet fühlt, sind wir offen für alle Menschen, die daran arbeiten wollen, dass dieses Land lebenswert bleibt.

Nachdem hinreichend viele Alternativen gegen Deutschland die Parlamente dieses schönen Landes bevölkern, sind wir als Alternative für Deutschland hinzugekommen. Für diejenigen Muslime, die Deutschland als ihre Heimat betrachten und am Wohlergehen Deutschlands interessiert sind, sollte das eine gute Nachricht sein. Denn die entscheidende Bruchlinie in unserem Land verläuft keineswegs zwischen Muslimen und Nichtmuslimen – ich nehme die radikalen Muslime hier bewusst aus –, sondern zwischen Realisten und Ideologen, zwischen Freiheitlichen und Sozialisten, zwischen Konservativen und Linken, zwischen Patrioten und Deutschlandverächtern. Die deutschen Muslime werden sich in den nächsten Jahren entscheiden müssen, auf welcher Seite sie stehen, jeder einzelne für sich.

Maßgebliche Teile der deutschen Linken, Grünen und Sozialdemokraten sind von einem tiefen kulturellen Selbsthass durchdrungen und haben Neu-Deutschen wenig mehr anzubieten als diese Geringschätzung des Eigenen und ihre sogenannte Toleranz. Eine Toleranz, die nicht aus souveräner Selbstachtung stammt, ist natürlich nur eine falsche und verklemmte. Deren vergiftete Früchte lernen Sie täglich kennen. Diese Toleranz ist in Wirklichkeit eine Mischung aus Ignoranz und politischer Taktik, deshalb ziehen sich die politisch-medialen Toleranzprediger gern in separate Stadtviertel zurück, wo sie mit Einwanderern wenig zu tun bekommen, und schicken ihre Kinder auf Privatschulen. Glauben Sie bloß nicht, dass diejenigen, die sagen der Islam gehöre zu Deutschland, sich für Sie interessieren. Wer sein eigenes Volk nicht schätzt, achtet auch den Fremden nicht. Wer seine eigene Kultur als etwas Verächtliches präsentiert, macht sie für Einwanderer nicht besonders attraktiv. Es ist kein Zufall, dass im rustikal-konservativen Bayern, das Zuwanderern eine regionale Identität anbietet, die Integration viel besser funktioniert als im hippen, weltoffenen, tatsächlich aber bloß gleichgültigen und verkommenen Berlin. Es ist auch kein Zufall, dass in Nordrhein-Westfalen, wo man das „deutsche Volk“ aus der Landesverfassung nehmen und durch „die Bevölkerung von Nordrhein-Westfalen“ ersetzen will, jede dritte vom Verfassungsschutz beobachtete Moschee steht.

Mindestens zwei Drittel der Einwanderer und Asylbewerber, die seit Merkels Willkommenspolitik nach Deutschland gekommen sind, haben keine Ausbildung und sind funktionale Analphabeten, die nicht einmal einen Busfahrplan lesen können. Wir beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge. Wenn diese Menschen hier kein Auskommen finden, werden sie entweder dem Sozialstaat auf der Tasche liegen oder sie werden kriminell oder beides zusammen. Es gibt im deutschen Einwanderermilieu, gerade auch im muslimischen, dafür hinreichend viele Beispiele. Diese Menschen sehen den Wohlstand des Westens, sie werden ihre Erfolglosigkeit als Diskriminierung werten, und ein Teil wird sich den Dschihadisten anschließen und den Westen bekämpfen.

Für Frau Merkel und die etablierten Parteien von Schwarz bis Grün scheint das kein Problem zu sein, sie sprechen sich samt und sonders gegen eine Begrenzung der Einwanderung aus. Alle diese Parteifunktionäre sind in der Sauce der deutschen Selbstverachtung gekocht worden und haben anscheinend keine Empfindung mehr für so elementare politische Bestrebungen wie die Formulierung nationaler Interessen und kulturelle Selbsterhaltung. Sie sehen kein Problem darin, dass sich in der kurzen Spanne ihrer Amtszeit Deutschland demografisch stärker verändert als in den 1000 Jahren seiner Geschichte zuvor. Um sich als gute Menschen brüsten zu können, gefährden sie den Wohlstand, den sozialen Frieden und die Sicherheit dieses Landes; sie wohnen nämlich schon in den besseren Stadtteilen – nicht dort, wo die meisten von Ihnen leben.

Ein Muslim, der Deutschland als seine Heimat betrachtet, kann nicht wollen, dass dieses Land verwahrlost. Ein Einwanderer, der sich hier sein kleines Geschäft aufgebaut hat und dessen Kinder mit Erfolg die Schule besuchen, kann nicht wollen, dass sein Stadtteil ein Problembezirk mit kriminellen Banden und Drogenhändlern wird. Ein frommer Muslim kann nicht mit Horden alkoholisierter Asylbewerber sympathisieren, die stehlen und Frauen sexuell belästigen.

Deswegen sagen wir den Neuankömmlingen – und wir sagen es auch im Namen der muslimischen Deutschen:

  • Kein Mensch wird in Deutschland aufgrund seines religiösen Bekenntnisses verfolgt oder benachteiligt. Wer jedoch meint, er könne seinen Glauben über den anderer stellen und diese anderen als Ungläubige verfolgen, ist hier falsch.
  • Kein Mensch wird in Deutschland genötigt, einer Religionsgemeinschaft beizutreten, doch wer der Meinung ist, das Verlassen einer Religionsgemeinschaft oder das Konvertieren zu einer anderen seien todeswürdige Verbrechen, ist hier falsch.
  • Kein Mensch wird in Deutschland genötigt, Schweinefleisch zu essen, aber wer es als Nötigung empfindet und dagegen protestiert, dass sein Tischnachbar welches verzehrt, ist hier falsch.
  • Kein Mensch wird in Deutschland genötigt, Weihnachten zu feiern, aber wer es als Nötigung empfindet und dagegen protestiert, dass der Weihnachtsmann in den Kindergarten kommt, ist hier falsch.
  • Kein Mensch wird in Deutschland genötigt, im Bikini zu baden, aber wer es als Nötigung empfindet und dagegen protestiert, dass andere es tun, ist hier falsch.
  • Kein Mensch wird in Deutschland genötigt, Wein oder Bier zu trinken, aber wer es als Nötigung empfindet und dagegen protestiert, dass andere es tun, ist hier falsch.
  • Keiner Frau wird in Deutschland verboten, ein Kopftuch zu tragen, doch wer meint, diejenigen Frauen, die keines tragen, seien Schlampen, ist hier falsch.

Jede Frau und jeder Mann darf in Deutschland lieben und heiraten, wen sie oder er will, und wer meint, er könne erwachsenen Menschen vorschreiben, wen sie zu lieben und zu heiraten haben, ist hier falsch.

Lassen Sie sich also nicht einreden, die AfD sei eine fremdenfeindliche Partei. Wir sind fremdenfreundlich, aber nicht naiv. In unseren Reihen befinden sich Menschen vieler Nationalitäten, Muslime eingeschlossen. Viele Zuwanderer wählen die AfD, weil sie sich von uns am ehesten die Lösung ihrer Probleme oder wenigstens ein Interesse daran versprechen. Wir werden eine Politik des Augenmaßes, des Machbaren, des sozial Vertretbaren durchsetzen. Wir wenden uns gegen soziale Experimente, deren Folgen die sozial Schwachen ausbaden müssen.

Ich fordere alle Muslime guten Willens auf, mit uns zusammen ein Deutschland des sozialen Friedens, der Selbstverantwortung, des Pluralismus, der Meinungsfreiheit und des Rechts einzutreten. Ich fordere alle Muslime guten Willens auf, sich mit uns zusammen gegen diejenigen zu stellen, die unser Land unter gezieltem Missbrauch unseres Rechts- und Wertesystems in einen religiösen Kampfplatz verwandeln wollen. Ich fordere alle Muslime guten Willens auf, mit uns zusammen für ein lebenswertes, freies, zukunftsoffenes Deutschland einzutreten, in dem jeder nach seiner Façon selig werden kann.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Frauke Petry

Frauke Petry

Frauke Petry, geboren in Dresden, ist seit 2013 Bundessprecherin der AfD und Vorsitzende der AfD Sachsen. Sie studierte Chemie in Reading (Vereinigtes Königreich) und Göttingen. 2004 wurde sie am Göttinger Institut für Pharmakologie und Toxikologie mit magna cum laude promoviert. Petry war Vorstandsmitglied des Jungchemikerforums der Gesellschaft Deutscher Chemiker, von 1998 bis 1999 dessen Bundessprecherin, und gründete das Chemie-Unternehmen PURinvent GmbH in Leipzig. Sie ist ausgebildete Chorleiterin und Organistin. 2012 erhielt Frauke Petry das Bundesverdienstkreuz für "Courage und Tatkraft im Bereich Forschung und Entwicklung“. Sie hat vier Kinder.